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Dienstag, 14. August 2012, 10:22

Man glaubt es nicht, ein längerer Bruchbach-Beitrag aus meinem Blog:

Mir ist natürlich bewußt, daß einige Leser auf Bruchbach-Nachschub warten und über irgendwelchen Retro-Kram, Kommerzialisierung und 16-Bit-Screenshots im Blog eher irritiert den Kopf schütteln. Es fehlen auch tatsächlich nur noch zwei reguläre Folgen, aus denen man dann in den Dreiteiler übergehen könnte, der das Serienfinale bilden würde. Nun alles früher "abbrechen" ist in dem Sinne IMO auch keine gute Idee, denn die 9. Staffel (bis Folge 180) ist ja so gut wie fertig.

Wie wäre es mit einer Folge 176, die sich eben gerade mit dem aktuellen Problem beschäftigt - also einer Meta-Reflektion zum Thema Abnutzung von Serien oder Ideenverlust oder generell der Frage, warum eine langlebige Serie nach 175+ Folgen einfach auch zu einem Ende kommen muß, und nicht aus Kommerzgründen etc. überdehnt werden sollte. Ein paar kleine satirische Seitenhiebe auf reale Beispiele sind da durchaus möglich. Das Ganze sollte in eine reale Abenteuerhandlung eingebaut sein, aber eben immer wieder kritische Meta-Bezüge auf Serie und Seriengeschichte aufweisen. Oder auf einer gewissen Ebene auch als Reflektion dazu funktionieren, was die Begriffe Abenteuer und "sense of wonder" heutzutage noch bedeuten.

Als grober Ansatz hier mal Titel und Anfang der Episode wie folgt:

176. Die Abenteurer

Die Folge beginnt im Garten der Dahls. Rick und Mike gehen sichtlich gelangweilt irgendwelchen obskuren Tätigkeiten nach, während Alex auf dem Boden sitzt und mal wieder an einer filigranen Metallkonstruktion herumlötet. Vor ihr liegen zahlreiche Zettel und Notizen, darunter auch die technischen Blätter vom Schluß von Folge 166. Auch verschiedene andere Relikte aus früheren Folgen sind zu sehen. Träge Alltagsszenen in Zeitlupe unterstreichen Ricks Langeweile visuell.

Schließlich beschwert er sich laut darüber, daß in dieser Stadt überhaupt nichts mehr zu passieren scheint, und er den Eindruck hat, daß gefühlt seit Monaten in seinem Leben nur noch monotoner Alltagstrott herrscht. Alex meint kryptisch, daß dies nur die Ruhe vor dem Sturm wäre, was Rick aber wenig überzeugen kann. Alex entgegnet philosophisch, daß Rick in der Vergangenheit schon so viele Abenteuer am Stück erlebt hat, daß ihn ein normaler Alltagsmensch nur darum beneiden (oder aber bedauern) könnte. Vielleicht ist irgendwann alles aufgebraucht und das Universum ist Rick keine weiteren seltsamen Begebenheiten und Abenteuer mehr schuldig - wobei aber "eins noch übrig ist".

Rick lässt sich davon aber nicht überzeugen, und erklärt, daß ein geborener Abenteurer wie er immer etwas findet, um dem Alltag ein Schnippchen zu schlagen, und Reichtum und Ruhm zu finden. Was zu beweisen ist. Er bricht dazu in die vor sich hin dösende Stadt auf und schleppt den wenig motivierten Mike mit. Alex gibt Mike noch mit, daß er Rick doch ab und zu daran erinnern sollte, daß beide keine 11 1/2 Jahre mehr alt sind und das Abenteuer nicht mehr unter jedem Stein wartet. Zuerst finden Rick und Mike tatsächlich nur Alltagstrott (Rick ist auch wenig begeistert über Mikes Hinweis, daß gerade Aushilfskräfte in Maybachs Tortenfabrik gesucht werden) aber dann...

[und hier kommt die Folge]

Nun stellt sich natürlich die Frage, was nun kommt. Einige Zeit hatte ich mich auch mit der Idee befasst, mal wieder eine reine Abenteuerfolge zu machen, stilistisch dezent in Tradition von Carl Barks und Don Rosa bzw. auch als eine Hommage an die beiden Autoren/Zeichner. Hier käme allerdings wohl wieder eine nicht zu übersehende kritische Diskrepanz mit herein, z.B. zwischen dem handfesten 40er/50er Jahre "sense of wonder" dieser Geschichten und der digitalen Bequemlichkeit und Realität des 21. Jahrhunderts. Um das alte Beispiel zu überstrapazieren: man kann als Abenteurer keine verlorene Stadt des Reichtums mehr suchen, wenn man ihren Standort nur noch im Smartphone eintippen und zoomen muß.

Als Idee am Rande: Rick und Mike könnten sich in der Stadt interessiert einer Gruppe von mutigen Leuten anschließen, die scheinbar über große Abenteuer reden und Reichtum und Ruhm außerhalb des Alltags suchen, aber am Ende stellt sich heraus, daß es nur um virtuelle Rollenspiele online geht (Bruchbach Zitadelle 2.8 ist gerade auf den Markt gekommen) und der zu findende Ruhm nur aus virtuellen Statuspunkten und digitalen Einkaufsgutscheinen besteht. Anstatt die Abenteuer zu suchen, die Rick für sein Leben braucht, binden sich die Entdecker lieber zwei Smartphones vor die Augen, um die "augmented reality" durch die Displays zu genießen. Ist jetzt vermutlich wieder arg plump und satirisch zu einseitig, aber nur mal als Idee.

Ein anderes Thema, daß die Folge aufgreifen könnte, wäre auch wieder die Natur fiktiver Figuren an sich. Rick erklärt an einer Stelle achselzuckend, daß ihm an seinem bisherigen Leben absolut nichts Ungewöhnliches aufgefallen ist. Es war zwar immer irgendetwas los, aber das sind halt solche Dinge, die einem passieren. Nicht die Abenteuer und all die seltsamen Begebenheiten (der letzten 9 Staffeln) wären das Ungewöhnliche, sondern die Stagnation und Langeweile der letzten Monate. An anderer Stelle der Folge könnte sich Rick über Charaktere aus diversen US-TV-Serien der 80er amüsieren, in denen immer irgendwelche Privatleute im Wochentakt per Zufall in Kriminalfälle geraten, und dabei gar nicht merken, daß das alles keinen Sinn ergibt, und sie in einem Drehbuchschema gefangen sind.

Letztlich könnte die Episode aber auch Ricks Sehnsucht nach einem Abenteuer erfüllen, d.h. er und Mike könnten eben wirklich in eine beschwingte und freie Abenteuerstory in bester Barks/Rosa-Tradition geraten, die die Mechanismen der Realität außer Funktion setzt, und beide in ein Rennen von einem Ende der Welt zum anderen schickt, um zusammen mit Professor Archäologicus den zweiten verlorenen Schatz der Futzteken zu finden (und rechtzeitig zu einem festen Termin zurück zu sein, um mit dem Geld das Waisenhaus vor dem Abbruch durch Kapitalisten zu retten ;-)).

Und am Ende könnte Rick dann erstaunt feststellen, daß Alex recht hatte. Das ist alles nicht normal und vielleicht ist es unvermeidbar, daß es irgendwann ein Ende findet, bevor es noch schlimmer wird. Aber wäre ein Ende in Normalität einer Zukunft voll seltsamer Begebenheiten und "sense of wonder" wirklich vorzuziehen? Das sollte eventuell als offene Frage im Raum stehen bleiben.

Das wären in Grundzügen ein paar Ideen zu einer Folge 176. Danach fehlt noch eine Folge und dann könnte es dann eben weitergehen mit "Drums in The Deep", "Smoke on The Water" und "Fire in The Sky". Und Staffel 9 und die Serie wären fertig.

Meinungen und Ideen zu dieser etwas unsortierten Ideensammlung wären hilfreich.

Chris